Blähungen und Ursachen - Cibatus

Blähungen und Ursachen

Artikel aktualisiert am 18.11.2016

Schmerzhafte Blähungen und mögliche Ursachen

Blähungen mit schmerzhaft aufgeblähtem Bauch, Druck in der Magengegend, Völlegefühl – diese Symptome kennt jeder, der schon mal zu viel „erwischt“ und sich übergessen hat. Doch nicht immer muss diese Symptomatik die unliebsame Folge zu hoher Nahrungszufuhr sein. Ganz im Gegenteil. Denn eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Faktoren ist imstande das gleiche Beschwerdebild zu zeichnen.

Betroffene sind oftmals von einen Leidensweg geprägt, dessen Ursache nicht erkannt wurde und daher auch viel zu oft belächelt wird – was wiederum zusätzlich zur physischen auch eine psychische Belastung bedeuten kann.

Das alles wäre nicht notwendig, wenn die auslösende Ursache zeitgerecht erkannt werden würde. Daher ein Versuch, in Frage kommende Ursachen zusammenzufassen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Vitamin C-Mangel

Histaminüberschuss fördert Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden. Vitamin C ist an der Regulation des Histaminspiegels beteiligt. Dabei korreliert der Vitamin C-Status direkt mit dem Histaminspiegel, was bedeutet, dass der Vitamin C-Status umso niedriger ist je höher der Histaminspiegel ist. Ein (schwerer) Mangel an Vitamin C kann zu Schleimhautblutungen führen, wodurch heftige Schmerzen im Bereich von Speiseröhre, Magen und Darm auftreten können.

Was beeinflusst den Vitamin C-Spiegel?

Vitamin C verringert sich durch physischen und psychischen Stress, rheumatische Erkrankungen und Medikamente – insbesondere Aspirin, Cortisonpräparate und Protonenpumpenhemmer.

Leaky Gut & Dysbiose

Ein Ungleichgewicht der Bakterienflora im Darm führt sehr häufig zu gastrointestinalen Beschwerden – ganz oben rangieren dabei Blähungen und Schmerzen im Bauchraum.

Auf eine gesunde Darmflora sollte stets Wert gelegt werden. Denn im Darm befindet sich 70 % des Immunsystems. Die Darmflora setzt sich aus rund 400 Bakterienarten zusammen, die in einem  natürlichen Gleichgewicht zueinander leben und sich in einer Art Symbiose gegenseitig ergänzen und unterstützen. Wird diese sensible Balance gestört, kommt es häufig zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Darms, auch bekannt als Dysbiose. Eine Dysbiose kann ihrerseits das Leaky Gut-Syndrom hervorrufen.

Um sich unter dem Leaky Gut-Syndrom etwas vorstellen zu können, lohnt sich ein Blick auf die Funktionsweise der Darmschleimhaut: sie soll für wichtige Nähr- und Schutzstoffe durchlässig sowie für Keime und Erreger undurchlässig sein. Zu diesem Zweck überzieht die Bakterienflora den Darm ähnlich einem Rasen. Der Rasen wirkt als natürlicher Grenzschutz, der sich umso mehr reduziert je niedriger die Anzahl an nützlichen Bakterien ist. Das kann problematisch werden sobald Keime die lecke Grenzbarriere überwinden, ins Blut gelangen und schließlich die Mastzellenproduktion anregen. Mastzellen schütten Histamin aus, und die häufigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich wurden bereits mehrfach angeführt. Die Histaminproduktion wird übrigens bereits mit dem Stadium der Dysbiose angeregt, da hier die Darmflora selbst Histamin zu produzieren beginnt.

Was beeinflusst die Darmflora?

Die Darmflora wird durch Medikamente wie Antibiotika, Abführmittel, Schmerzmittel – insbesondere durch NSAR (nicht steroidale Antirheumatika), Genussgifte wie Alkohol und Nikotin, hohe Mengen an Zucker, Umwelttoxine sowie durch chronischen Stress geschädigt. Aufbauend auf die Darmflora wirken sich Milchsäurebakterien aus, die in vielen gesäuerten Milchprodukten wie Joghurt, Kefir, Sauermilch sowie Sauerkraut, Sauerkrautsaft und Sauerbrotteig enthalten sind.

Eine Testung des Leaky Gut-Syndroms ist durch die Bestimmung von Alpha 1 Antitrypsin möglich.

Herzinsuffizienz

Das Herz hat die Aufgabe, den Körper einerseits mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen sowie anderseits das sauerstoffarme Blut in die Lunge zu transportieren. Wenn die rechte Herzkammer oder das gesamte Herz geschwächt ist, kann sich das auf den  Blutfluss von der Leber zum Herzen problematisch auswirken. Es kommt zu einem Rückstau des Bluts, die Leber verhärtet sich und das angesammelte Blut sucht sich Alternativen und staut sich in andere Bauchorgane zurück.

Häufige Symptome sind das Gefühl einer starken Überblähung sowie ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Die Herzschwäche kann sich inform von Schwellungen an Füßen, Unterschenkeln und Wirbelsäule bemerkbar machen, oft begleitet von Atemnot und schnellem Puls. Zusätzlich kommt es zu allgemeiner Schwäche und ausgeprägtem Krankheitsgefühl.

Pfortaderhochdruck (Portale Hypertension) 

Die Pfortader ist ein großes Gefäß, welches die Leber mit nährstoffreichem Blut versorgt. Als Folge einer Leberverhätung oder Leberzirrhose kann es dazu kommen, dass sich das Pfortaderblut in den Magen und/oder in die Speiseröhre zurückstaut. Die überfüllten Gefäße erweitern sich und können sich zu Krampfadern ausbilden, deren Varizen gefährlich bluten können.

Symptomatisch stehen ausgeprägte Völle- und Überblähungsgefühle im Vordergrund. Diese kommen unter anderem dadurch zustande, dass weniger Kohlendioxid aus dem Darm ins Blut gelangt. Es kann sich aber auch Flüssigkeit in den Bauchraum zurückstauen, was medizinisch als Bauchwassersucht oder Aszites bezeichnet wird, und für Beschwerden im Bauchraum verantwortlich sein kann – zum Beispiel als stark aufgetriebener Bauch.

Magenpassagestörung

Der Magen übernimmt – zusätzlich zu seinen verdauungsfördernden Aufgaben – eine wichtige Reservoir-Funktion: dazu speichert er die aufgenommene Nahrung und gibt sie portionsweise über den Pylorus in die oberen Bereiche des Dünndarms ab. Kommt es zu einer Magenentleerungsstörung, staut sich der Speisebrei zu lange im Magen zurück, was von intensiven Völle- und Überblähungsbeschwerden begleitet sein kann. Geregelt werden diese Prozesse durch das autonome Nervensystem, weshalb auch Nervenstörungen für Verdauungsprobleme verantwortlich sein können (die diagnostisch allerdings nicht immer damit in Verbindung gebracht werden).

Bakterielle Fehlbesiedlung

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollten ernst genommen werden. Anderenfalls kann es dazu führen, dass bestimmte Bakterien in Darmbereiche vordringen, die von Natur aus steril sein sollten. Hierbei dient die Ileozäkal-Klappe als natürliche Schutzbarriere, die keimfreie Bereich – beispielsweise vor einer bakteriellen Fehlbesiedlung – schützt. Infolge einer Anflutung mit unverträglichen Substanzen (z.B. Laktose bei einer Laktoseintoleranz)  kann diese jedoch so beschädigt werden, dass es zu einer fehlerhaften Ansiedlung mit Bakterien kommt (weil an falscher Stelle). Häufige Konsequenz sind Verdauungsbeschwerden  (insbesondere  Blähungen) –  selbst dann noch, wenn unverträgliche Komponenten zwischenzeitlich gemieden werden.

Infektion mit Heliobacter pylori

Heliobacter pylori sind Bakterien, die sich im Magen niederlassen und dort Beschwerden verursachen können. Da sie mithilfe des Enzyms Urease Harnstoff in Ammoniak und Kohlensäure umwandeln können und sich somit ein basisches Milieu schaffen, sind sie gegen den sauren pH der Magensäure immun und können – gemeinsam mit den von ihnen produzierten Giftstoffen – Entzündungen im Bereich des Magens und des Zwölffingerdarms auslösen. Häufigstes durch Heliobacter ausgelöstes Krankheitsbild ist die Entzündung der Magenschleimhaut, auch bekannt als Gastritis, die von Beschwerden  wie Völlegefühl und Blähungen, Druckgefühl im Bauchraum sowie teils heftigen Magen- und Rückenschmerzen begleitet ist. Weitere Gastritis-Verursacher sind Alkohol, Zigarettenrauch und NSAR (nicht steroidale Antirheumatika).

Laut einiger Studien dürfte rund 50 % der Bevölkerung Träger von Heliobacter sein, was aber nicht zwingend zu Beschwerden führen muss. Wahrscheinlich spielen Menge und Ausbreitung der Bakterien eine gewichtige Rolle. Hier kommt wieder der pH-Wert der Magensäure ins Spiel: denn obwohl Heliobacter-Bakterien dem sauren pH-Wert des Magens standzuhalten vermögen, fühlen sie sich dennoch umso wohler je weniger sauer dieser ist.

Das sollte bei der Einnahme von Protonenpumpenhemmern berücksichtigt werden, weil diese bei Sodbrennen zu den gängigen Standardmedikamenten zählen und entsprechend häufig verschrieben werden. Protonenpumpenhemmer senken zwar die Säurewirkung im Magen, begünstigen aber die Ausbreitung von Heliobacter-Kulturen, sofern diese bereits vorhanden waren (und mithilfe des sauren Magen-pHs in ihren Schranken gehalten wurden).

Nichtsteroidale  Antirheumatika sind Schmerzmittel, die entzündungshemmend wirken und daher auch in der Rheumatherapie Verwendung finden. Dazu zählen Acetylsalicylsäurederivate (Acetylsalicylsäure), Arylpropionsäurederivate (Ibuprofen, Flurbiprofen, Naproxen, Ketoprofen, Tiaprofensäure), Arylessigsäurederivate (Diclofenac), Indolessigsäurederivate (Indometacin), Anthranilsäurederivate (Flufenamin-, und Mefenaminsäure) und Oxicame (Piroxicam, Tenoxicam, Meloxicam, Lornoxicam).

Protonenpumpenhemmer enthalten Wirkstoffe, die alle mit der Endung -prazol aufhören: dazu zählen unter anderem Esomeprazol (Esomep, Nexium, Durotiv), Pantoprazol (Pantoloc, Pantozol) und Lansoprazol (Lanzor).

Zöliakie

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, die in jedem Lebensalter auftreten kann und sich dadurch kennzeichnet, dass das Eiweiß Gluten nicht ordnungsgemäß gespalten werden kann. Das führt in der Darmschleimhaut zu Entzündungsreaktionen samt Rückbildung der Dünndarmzotten. Die Folgen sind – zusätzlich zur stark reduzierten Ausnutzung der Nährstoffe – Symptome wie Appetitlosigkeit, Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl sowie andauernde Durchfälle mit fettigem Stuhl.

Steinleiden – Gallensteine und Nierensteine

Steine sind Ansammlungen von Kristallen, die im jeweiligen Organ dazu führen, dass der Durchfluss behindert wird. Steinleiden können Koliken verursachen, aber auch bereits davor eine Reihe an Beschwerden verursachen.

Nierensteine bestehen aus im Urin gelösten Substanzen, besonders häufig bestehen die Steine aus Kalziumoxalat oder Kalziumphosphat. Steine, die den Harndurchfluss versperren, können Schmerzen in der Nierengegend und am Rücken auslösen, häufig begleitet von aufgeblähtem Bauch sowie Übelkeit, Erbrechen.

Nierensteine werden durch ungenügende Flüssigkeitszufuhr stark begünstigt. Umgekehrter Weise führt ausreichendes Trinken zu einem Spüleffekt, wodurch einige (nicht alle) Steine ausgeschwemmt werden können.

Gallensteine bestehen aus Cholesterin und/oder Bilirubin-Pigmenten, die den Gallenblasengang oder den Hauptgallengang blockieren können. In Folge kommt es zu einer Drucksteigerung, die zu Schmerzattacken im rechten Oberbauch führen, die bis ins Schulterblatt ausstrahlen können. Gallenkoliken können von wenigen Minuten über viele Stunden andauern. Symptomatisch kommt es oftmals zu einer Kombination aus Schmerzattacken, Erbrechen sowie  allgemein schlechter Verträglichkeit von Fetten.

Begünstigt werden Gallensteine durch Cholesterin und Transfette: Cholesterin ist in Wurst, Fleisch, fettreichen Milchprodukten, Backwaren sowie Kokosfett und fetthaltigen Süßwaren enthalten. Transfette entstehen bei der Härtung pflanzlicher Fette und kommen in Margarinen, Knabbersnacks, Nuss-Nougat-Aufstrichen sowie Bratfetten vor. Auch die Genussmittel Alkohol, Kaffee sowie Nikotin wirken gallensteinfördernd.

Aus Gallensteinen kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hervorgehen, die ein ähnliches Beschwerdebild zeichnen kann.

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Häufige Verursacher einer Bauchspeicheldrüsenentzündung sind Gallensteine sowie die übermäßig hohe Zufuhr von Alkohol. Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kann ausschließlich ursächlich behandelt werden, das heißt durch Ausschalten der auslösenden Faktoren wie beispielsweise Alkohol. Nachdem die Bauchspeicheldrüse an der Produktion essenzieller Verdauungsenzyme beteiligt ist, kann eine Entzündung zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie zu teils heftigen Schmerzen im Oberbauch führen.

Bauchspeicheldrüsenschwäche

Eine oder mehrere Bauchspeicheldrüsenentzündungen können zu einer generellen Bauchspeicheldrüsenschwäche führen. Die Aktivität der Bauchspeicheldrüse lässt sich gut diagnostizieren. Dazu wird der Gehalt des proteinspaltenden Enzyms Pankreas-Elastase untersucht. Zusätzlich kann der Fettgehalt im Stuhl analysiert werden – je höher dieser ist, desto wahrscheinlicher ist eine Schwächung des Organs.

Übersäuerung

Der Blut-pH-Wert liegt bei 7,4. Größere Abweichungen sind mit dem Leben nicht vereinbar und kommen nur selten vor. Hingegen treten leichte Gewebes-Übersäuerungen – auch bekannt als latente Azidosen – innerhalb des Nahrungswohlstands immer häufiger auf, wobei die Entstehungsherde und damit die Beschwerden sehr unterschiedlich ausfallen können: sie reichen von rheumatischen Erkrankungen, übermäßigen Knochenmasseverlusten sowie teils  intensiven Verdauungsbeschwerden.

Säurebildend wirken Alkohol, Zucker, Kaffee, übermäßig viel Fett und Eiweiß, ungenügende Trinkzufuhr sowie Bewegungsmangel und psychischer Stress. Bei übersäuerten Patienten werden auch oftmals chronische Belastungen mit Aluminium gefunden. Aspirin und diverse Schmerzmittel enthalten sehr hohe Mengen an Aluminium – ein weiterer Grund, warum die Arzneisubstanz Acetylsalicylsäure nicht dauerhaft eingenommen werden sollte.

Die „Ernährungsmineralien“ Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen und Zink wirken hingegen entsäuernd, im Idealfall in Kombination mit gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung & Co.

Tipps um Blähungen zu vermeiden

Schnelles, zu wenig gekautes Essen fördert Blähungen, da der Kauvorgang bereits Teil der Verdauungsprozesse ist. Außerdem wird durch zu hastig aufgenommene Nahrung vermehrt Luft geschluckt, was Blähungen provozieren kann. Die bekannte „Regel“ essen gut zu kauen, ist bei Verdauungsbeschwerden daher von besonders briskanter Aktualität.

Aber auch die Kräuterwelt hat bei akuten Verdauungsbeschwerden Hilfe parat. Hier helfen insbesondere Kümmel, Anis, Fenchel, Pfefferminze, weil diese karminativ und entkrampfend wirken.

Allerdings versteht sich nach Lesen dieses Textes sicherlich von selbst, dass Medikamente, Kräuter sowie entlastende Ernährung in Form einer Schonkost bei organischen Ursachen bestenfalls Symptomlinderung verschaffen können.

Oberste Priorität sollte daher wohl auf der erfolgreichen Ursachenfindung sowie deren Behandlung liegen! Denn die möglichen Ursachen sind vielfältig (und hier sicherlich auch nicht vollständig aufgezählt, es handelt sich um einen Auszug) und Untersuchung, Zuordnung sowie Diagnosestellung obliegen der Medizin!

[tw-parallax image=“https://www.cibatus.at/wp-content/uploads/2016/10/ernaehrungsberatung-verdauung.jpg“][/tw-parallax]

4

>