Hafer schützt das Herz…und wirkt gegen Diabetes.

Diese Erkenntnis hat auch die Ärzteschaft des Herz- und Gefäßzentrums Bad Bevensen aufgegriffen und in ihren Behandlungsplan integriert. Diabetes und Herzerkrankungen sind eng miteinander verbunden: rund ein Viertel aller Herzinsuffizienz-Patienten sind auch an Diabetes erkrankt. Bei genauerer Diagnostik – so die Klinik – fand man heraus, dass sogar bis zu 75 % der Patienten eine Störung des Zuckerhaushalts aufweisen. Außerdem haben die meisten Herzpatienten Übergewicht, was sich wiederum schädlich auf Blutdruck, Blutzucker und Blutfette auswirkt.

Es lohnt sich also, einem gesunden Blutzuckerspiegel hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Je natürlicher, medikamentenfreier und damit auch nebenwirkungsärmer sich dieser reguliert lässt, desto besser.

Das Wissen um die ernährungsmedizinischen Eigenschaften von Hafer ist nicht neu. Ganz im Gegenteil – denn die Heilkraft des Hafers ist seit Jahrtausenden bekannt und wurde bereits von Völkern der Antike genutzt und auch in der traditionellen chinesischen Medizin genießt dieses besondere Getreide einen fixen Platz.

Lange Zeit war man bei der Behandlung von Diabetes überwiegend auf ernährungstherapeutische Methoden angewiesen. 1902 hat der Arzt Carl von Noorden eine Haferkur in die Diabetes-Behandlung eingeführt: dabei erhielten Patienten 2 bis 4 Tage lang täglich insgesamt rund 200 bis 250 g Hafer, aufgeteilt auf 4 Mahlzeiten.

Noch bis in die 1960er Jahre wurde diese Therapieoption genutzt, um Patienten nach einem Zuckerschock zu stabilisieren und die Insulingaben so gering wie möglich zu halten.

Mit der Entdeckung des Insulins 1921 geriet die Haferkur allerdings immer mehr in Vergessenheit.

Für frischen Wind sorgte eine 2007 publizierte Studie der Universität Heidelberg, die aufzeigte, dass eine zweitägige Haferdiät pro Monat eine Halbierung der Insulindosis ermöglicht, die Glukosewerte verbessert und den HbA1c-Wert absenkt. Diese positiven Effekte sind bis zu 4 Wochen nachweisbar. Die Reduktion der Insulindosis vereinfacht darüber hinaus das Gewichtsmanagement.

MedUni Heidelburg: eine zweitägige Haferdiät pro Monat ermöglicht die Halbierung der Insulindosis, Verbesserung der Glukosewerte und Absenkung des Langzeitzuckers.

Diese eindrucksvollen Ergebnisse der Heidelberger Studie sind ein Beispiel dafür, dass traditionelles Wissen durch aktuelle Studien belegt wird und folglich in so manchem Klinikalltag eine Art Renaissance erfährt. So setzt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Björn Andrew Remppis, Chefarzt der Kardiologie im Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, in seiner Klinik auf das Wissen unserer Vorfahren und bietet neben der schulmedizinischen Behandlung eine Haferkur an, bei der Patienten 2 Tage lang nur Haferbrei essen – so viel sie mögen und essen können.

Für den Geschmack dürfen morgens Zimt, Mandeln und etwas Süßstoff hinzugefügt werden. Mittags und abends wird der Brei mit Gemüsebrühe gekocht und gemeinsam mit etwas Schnittlauch und Kräutern verspeist.

Der als Ernährungsmediziner bekannte Internist und Diabetologe Dr. Matthias Riedl schreibt in einem Kommentar auf einer Diabetes-Blog-Seite folgendes:

haferkur

Was steckt drin im Haferkorn?

Hafer enthält einen sehr hohen Anteil an Vitaminen des B-Komplexes sowie Vitamin E und K. Die B-Vitamine sind an vielen enzymatischen Regulationsmechanismen beteiligt und schützen vor Nervenschädigungen. Vitamin E schützt die Körperzellen vor Oxidation und kann darüber hinaus gemeinsam mit Vitamin B3 (Niacin) die Insulinwirkung erhöhen. Vitamin K gilt allgemein als Schutzfaktor vor Insulinresistenz und Diabetes Typ 2.

Unter den Mineralstoffen punktet Hafer mit hohen Mengen an Zink, Chrom, Magnesium und Eisen.  Hier handelt es sich um bei Diabetes besonders wichtige Mineralien. Zink unterstützt die Speicherung von Insulin und erhöht die Insulinwirkung an den Zellen. Zusätzlich stärkt Zink das Immunsystem, und nimmt eine wichtige Stellung bei der für Diabetiker sehr wichtigen Wundheilung ein. Chrom und Magnesium sind ebenfalls an der Blutzuckerregulation beteiligt, weil sie die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin erhöhen. Magnesium regt darüber hinaus die Bauchspeicheldrüse an, größere Mengen an Insulin zu produzieren. Magnesium wirkt auch entspannend auf die Arterienwandmuskulatur, was den Blutdruck günstig beeinflusst und das Herz entlastet. Eisen ist als Transporteur von Sauerstoff für die Sauerstoffversorgung des Körpers zuständig, was für eine gute Wundheilung und somit für die Vermeidung eines diabetischen Fußes von zentraler Bedeutung ist.

Der hohe Anteil an Nahrungsfasern im Hafer lässt den Blutzucker flacher ansteigen und schont dadurch die Bauchspeicheldrüse. Der Ballaststoff beta-Glucan sticht dabei besonders hervor, weil er neben seinen blutzuckerstabilisierenden auch cholesterinsenkende Eigenschaften besitzt. Und unter den sekundären Pflanzenstoffen punkten die Aventhramide, die ausschließlich im Hafer vorkommen. Dabei handelt es sich um Polyphenole, die arteriosklerotische Ablagerungen hemmen, Zellen vor Oxidation schützen und insgesamt als hochwirksamer Schutzfaktor für Herz und Gefäße fungieren.

Hafer ist somit auffallend reich an jenen Nährstoffen, die den Verlauf von Diabetes mellitus besonders günstig beeinflussen können. Die Kombination aus diesen dürfte es auch sein, welche dem Hafer sein ganz besonderes Wirkpotenzial verleihen.

Vorsicht Unterzucker!

Ärzte warnen einstimmig davor, dass eine Haferkur nur nach Rücksprache mit dem Arzt durchgeführt werden darf, um keine Unterzuckerungen zu riskieren. Demnach ist es ratsam, am Abend vor der Kur das Langzeitinsulin zu halbieren und Medikamente der Klasse Sulfonyhlharnstoffe bereits zwei Tage vorher abzusetzen. Ärztliche Aufsicht ist hier jedenfalls erforderlich!

Haferporridge

  • 1/2 l Trinkwasser
  • 66 g Haferflocken
  • 10 g gehobelte Mandeln
  • Prise Zimt & Süßstoff

  1. Wasser mit Zimt aufkochen.
  2. Haferflocken einrühren und ausquellen lassen.
  3. Mandeln unterrühren und mit ganz wenig Süßstoff abschmecken.

Haferrisotto

  • 1/2 l Trinkwasser
  • 66 g Haferflocken
  • Schnittlauch
  • Kräuter & etwas Suppengewürz

  1. Gemüsebrühe aufkochen.
  2. Haferflocken einrühren und ausquellen lassen.
  3. Kurz vor dem Anrichten Schnittlauch und Kräuter einrühren.

Originalrezepte des Herz- und Gefäßzentrums Bad Bevensen