Histamin - Cibatus

Histamin

Artikel aktualisiert am 30.01.2017

Histamin – nützlich oder schädlich?

Der Begriff Histamin ist  geläufig – besonders in Zusammenhang mit Histaminintoleranz. In Zeiten gehäuft auftretender Nahrungsmittelunverträglichkeiten haftet Histamin somit ein ziemlich herber Beigeschmack an. Was hat es mit Histamin auf sich? Ist Histamin tatsächlich so schädlich? Wirkt Histamin auch nützlich? Gibt es eine Dosisgrenze?

Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, denn für Histamin gilt die Frage der Menge ganz besonders. Die Dosis macht das Gift.

Symptome von Erkältung, Magen-Darm-Grippe, Migräne, Lebensmittelvergiftungen und Allergien haben etwas gemeinsam: Histamin als möglichen (aber nicht zwingenden) Auslöser. Anderseits ist Histamin auch unverzichtbarer Bestandteil vieler wichtiger Körperfunktionen.

Biologisch betrachtet ist Histamin ein körpereigener Naturstoff, welcher eine Vielzahl an essenziellen Funktionen im Körper wahrnimmt – insbesondere im Rahmen der Immunabwehr. In wohldosierten Mengen fungiert Histamin als Botenstoff, Entzündungsmediator, Gewebshormon, Neurotransmitter und sorgt unter anderem für Darmperistaltik, Magensaftproduktion und Kontraktionen der glatten Muskulatur von Bronchien und Gebärmutter. Darüber hinaus ist Histamin am Wach-Schlaf-Rhythmus beteiligt sowie an der Regulation von Aufmerksamkeit und Appetit.

Histamin wirkt mit seinen gefäßerweiternden Eigenschaften auch senkend auf den Blutdruck. Chronisch erniedrigter Blutdruck kann die Konsequenz gesteigerter Histaminsensibilität sein.

Histamin wirkt blutdrucksenkend und appetitzügelnd!

Histamin wird aus der Aminosäure Histidin in Granula, weißen Blutkörperchen und Mastzellen gebildet, gespeichert sowie daraus freigesetzt. Im Optimalfall herrscht ein Gleichgewicht zwischen Bildung, Freisetzung und Abbau von Histamin: freies Histamin wird innerhalb verträglicher Grenzen gehalten, und kann seinen Aufgaben nachkommen ohne dabei Beschwerden zu verursachen.

In größeren Mengen löst Histamin hingegen Beschwerden aus, und zwar bei allen Menschen – bei Menschen mit Histaminintoleranz genauso wie bei jenen ohne Histaminintoleranz. Denn es existiert keine grenzenlose Histamintoleranz: ab einer Menge von rund 10 mg freiem Histamin kommt es bei allen Menschen zu Symptomen, die auf einen Überschuss an Histamin zurückzuführen sind. Bevorzugt (aber nicht ausschließlich) an jenen Orten, wo sich natürlich viel Histamin befindet wie Haut, Lunge, Zentralnervensystem und Magen-Darm-Trakt.

Histaminbedingte Symptome?

An der Haut kann es zu Quaddeln, Ausschlägen, Juckreiz, Rötungen (Flushing), Schwellungen, Ödemen, Urticaria und Neurodermitis kommen; im Hals-Nasen-Ohren-Bereich zu Husten, Niesreiz, chronischem Schupfen sowie  an der Lunge zu Verschleimung, Asthma und Atemnot. Zu den möglichen Symptomen im Magen-Darm-Trakt zählen Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung. Das Herz-Kreislauf-System kann mit Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, unregelmäßigem Puls sowie erhöhtem oder erniedrigten Blutdruck reagieren.

Histamin ist somit auch ein sehr facettenreicher Verursacher von Symptomen. Art, Intensität und Lokalisation der Beschwerden können von Mensch zu Mensch stark variieren.

Histamin verursacht in überhöhter Dosis bei allen Menschen Beschwerden!

Histamin & Allergien

Histamin wirkt auch als Auslöser von Symptomen bei Allergien. Bei Kontakt mit dem Allergen (welches der Organismus als potenziellen Feind betrachtet, obwohl es eigentlich harmlos ist) wird die Abwehrreaktion eingeleitet und massenhaft Histamin ausgeschüttet. Je nach Intensität der allergischen Reaktion kann es zum anaphylaktischen Schock kommen. Dieser ist lebensbedrohlich.

Histamin verursacht die typische Symptomatik bei allergischen Reaktionen!

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Der anaphylaktische Schock

Der anaphylaktische Schock ist die gravierendste Form der allergischen Überempfindlichkeitsreaktion. Dabei kommt es zu einer massiven Histaminfreisetzung, was sich anfangs in Form von Erythemen und Quaddeln an der Haut äußert und noch nicht akut lebensbedrohlich ist. In der nächsten Phase entwickeln sich weitere Alarmsymptome wie Jucken, Brennen und Hitzegefühl im Rachen, häufig begleitet von Schluckbeschwerden und einem Bronchospasmus. Das kann mit akuter Sauerstoffnot einhergehen. Als Ausgleichsreaktion kommt es zu einer Erweiterung der Gefäße, der Blutdruck sinkt stark ab und der Puls ist kaum mehr tastbar. Kompensatorisch kommt es zu einer Tachykardie (Anstieg der Herzfrequenz) um den Blutdruck zu erhöhen. Gefürchtete Folge dieser Überlastung ist ein Kreislaufstillstand (hypovolämischer Schock). Die allergische Reaktion manifestiert sich innerhalb von Sekunden bis Minuten, selten auch noch Stunden nach dem Allergenkontakt.

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Histaminintolerante Personen tolerieren geringere Mengen an Histamin und entwickeln  histaminbedingte Symptome naturgemäß bereits früher. Mögliche Gründe für einen  Histaminüberschuss sind, dass hohe Mengen Histamin direkt über die Nahrung aufgenommen werden oder durch Histaminliberatoren die Ausschüttung von körpereigenem Histamin provoziert wird. Ein weiterer Grund für eine Überladung mit Histamin sind Abbauschwierigkeiten histaminabbauender Enzyme.

Achtung Histaminliberatoren

Histaminliberatoren fördern die Freisetzung von körpereigenem, gespeichertem Histamin. Unter den Medikamenten zählen folgende Arzneisubstanzen dazu: Mefenaminsäure (z.B. Parkemed), Diclofenac (z.B. Diclobene, Voltaren), Indometacin (z.B. Indohexal) und Acetylsalicysäure (z.B. Aspirin). Unter den Lebensmitteln können Erdbeeren, Tomaten, Kiwis, Papaya, Ananas, Zitrusfrüchte, Nüsse, Schokolade und Kakao  die Histaminfreisetzung fördern (Auszug).

Wie gelangt Histamin in den Körper?

Histamin wird aus der Aminosäure Histidin vom Körper selbst hergestellt (durch Decarboxylierung = Abspaltung von CO2). Somit ist keine externe Zufuhr über die Nahrung notwendig. Nichtsdestotrotz können über  Nahrungszufuhr sehr hohe Mengen an Histamin in den Körper gelangen – von entscheidender Bedeutung sind hier Art und Menge der Lebensmittel und Getränke.

Der enzymatische Abbau von Histamin findet nicht nur im Körper statt, sondern auch in Lebensmitteln. Dieser durch Bakterien gesteuerte, natürliche Prozess wird auch von der Lebensmittelindustrie genützt  – zum Beispiel zur Reifung und Aromabildung. Lang gereifte Käse- und Wurstarten, geräucherte Fisch- und Wurstwaren sowie Wein und Bier können sehr hohe Konzentration an Histamin aufweisen.

Frische Lebensmittel enthalten prinzipiell kaum bis gar kein Histamin, und können daher bedenkenlos konsumiert werden.

Achtung vor Lebensmittelverderb

Die Bildung von Histamin (und weiterer biogener Amine) ist die unmittelbare Begleiterscheinung des Lebensmittelverderbs. Den diesbezüglich gravierendsten Fall stellt die Fischvergiftung dar. Dabei kommt es im Fisch zu einer massiven Bildung von Histamin, welches schließlich über den Verzehr in den Körper gelangt – mit der Konsequenz einer akuten Fischvergiftung.

Histamin ist Auslöser der Fischvergiftung!

Frischer Fisch ist hingegen frei von Histamin. Gleiches gilt für sofort nach dem Fang tiefgekühlten Fisch.

Histamin ist gegenüber Hitze und Kälte stabil, weshalb Histamin weder durch Erhitzen noch durch Tiefkühlen zerstört werden kann. Unstabil gegenüber Kälte ist allerdings jenes Enzym, das die Aminosäure Histidin in Histamin umbaut. Dieser Umstand liefert auch die Erklärung, warum frische Lebensmittel, die sofort tiefgekühlt werden, kaum bis gar kein Histamin enthalten. Kälte inaktiviert die Verderbsprozesse und somit auch das histaminbildende Enzym Histidindecarboxylase, nicht aber bereits gebildetes Histamin.

Wie gelangt Histamin aus dem Körper?

Hat sich im Körper Histamin angesammelt, muss es abgebaut werden. Dafür zuständig sind histaminabbauende Enzyme. Allen voran die Diaminoxidase (DAO), welche den Hauptanteil übernimmt. Zu ihren Unterstützern zählen die Enzyme Monoaminoxidase (MAO) und Histamin-N-Methyl-Transferase (HNMT).

Achtung vor Histamin-Abbauhemmern

Es gibt Faktoren, die den Abbau von Histamin verzögern oder ganz unterbrechen können. Prominentes Beispiel ist der Geschmacksverstärker Glutamat, der histaminabbauende Enzyme hemmen und in Folge eine Überladung mit Histamin verursachen kann – die damit verbundenen Symptomen sind als Chinarestaurant-Syndrom bekannt. Die Nase ganz vorne haben auch diverse Schmerzmittel, welche Histamin-Abbauprozesse hemmen können. Auch hormonelle Veränderungen und Umwelteinflüsse können die Aktivität histaminreduzierender Enzyme beeinträchtigen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Eine Histaminintoleranz lässt sich nicht immer über Laboranalyse diagnostizieren. Standardmäßig erfolgt daher zuerst eine ausführliche Anamnese um mögliche Zusammenhänge zwischen Histamin und Beschwerden erkennen zu können. Ist eine Histaminintoleranz wahrscheinlich, können Histamin und die Aktivität der histaminabbauenden DAO im Blut analysiert werden. Mittels Labordiagnostik sind Aktvität und Menge des Enzyms zwar messbar, allerdings sind dennoch nicht alle Fälle lückenlos diagnostizierbar. Anamnese und Eliminationsdiät  zählen daher weiterhin zu den Diagnosemethoden der ersten Wahl, weil sie von Medizinern als verlässlicher eingestuft werden.

Tipp!

Vitamin C ist ein natürlicher Histaminsenker! Es besitzt die Eigenschaft, den Abbau von Histamin zu beschleunigen indem es die Tätigkeit der DAO erhöht. Umgekehrt ist bei Histaminempfindlichkeit der Verbrauch an Vitamin sehr hoch, weshalb eine gute Versorgung mit Vitamin C immer sichergestellt sein sollte.

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cocktail

Zitrusfrüchte können Histaminliberatoren sein, müssen es aber nicht. In vielen Fällen wirken sie sich auf die Histaminsensibilität beruhigend aus. Sofern sie aber als Liberator und somit histaminfreisetzend fungieren sollten, gibt es  Alternativen: zum Beispiel schwarze Johannisbeeren. Sie enthalten den etwa 30-fachen Gehalt an Vitamin C von Zitronen (100 g Zitrone = 50 mg, Schwarze Johannisbeeren = 1600 mg Vitamin C). Johannisbeeren sind bei uns auch als Ribiseln bekannt.

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