Ingwer

Zingiber officinalis, auch bekannt als Ingwer, dient in Süd- und Ostasien als Gewürz und als Arzneidroge gleichermaßen. Ingwer blickt dabei auf eine lange Tradition zurück: bereits seit 3000 Jahren bedienen sich TCM, Ayurveda und japanische Heilkunst der außerordentlichen Eigenschaften der asiatischen Knolle.

Ein Blick auf die Inhaltsstoffe kann helfen, das Geheimnis ein wenig zu lüften: Ingwer ist reicht an den ätherischen Ölen Zingiberol und Zingiberen sowie an den Scharfstoffen Gingerol und Shogaol. Sie gelten als Hauptverantwortliche für die Wirkkraft des Ingwers. Gingerol verleiht ihm darüber hinaus seine Schärfe. Zusätzlich enthält Ingwer Vitamin C, Eisen, Kalzium, Magnesium, Kalium, Natrium und Phosphor sowie Bitterstoffe, denen viele stoffwechselregulierende Eigenschaften zugeschrieben werden.

Aus botanischer Sicht ist Ingwer eine krautige Pflanze, welche ein Wurzelgewächs (Rhizom) ausbildet, das in seinem Inneren eine leuchtend gelbe Farbe entfaltet. Eine sehr nahe Verwandte des Ingwers ist die Curcuma longa, ebenfalls ein Rhizom, die sich in geriebener und getrockneter Form als Kurkuma-Gewürz großer Beliebtheit erfreut.

Ingwer dient als Arzneidroge und Küchengewürz gleichermaßen!

Als Gewürzzutat überzeugt Ingwer aufgrund seines kräftig-würzig-scharfen Aromas. Bis zur Einführung der Chilishoten aus Amerika zu Beginn der Neuzeit, galt Ingwer übrigens gemeinsam mit Pfeffer als einzig verfügbares scharfes Gewürz.

Und als Arzneidroge hat mittlerweile auch die Schulmedizin den Ingwer für sich entdeckt. Dabei kam sie gleich auf mehreren Ebenen zu vielversprechenden Ergebnissen, sodass Ingwer ein wenig den Stellenwert eines Breitband-Therapeutikums erklommen hat.

Ingwer wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend

Ingwer wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend zugleich – ein wichtiges Kriterium für gute Schmerzmittel, insbesondere wenn sie tatsächlich wirken sollen.  Forschungen belegen nun, dass die Wirkintensität des Ingwers mit jener von klassischen Schmerzmitteln (nichtsteroidale Antirheumatika – z.B. Aspirin®, Diclofenac®, Voltaren®) vergleichbar ist: Ingwer wirkt gegen Schmerzen aller Art sowie insbesondere gegen Schmerzen der Gelenke, Glieder und Muskeln.

Typ 2-Diabetiker wurden in einer Studie separat auf die allgemein-antientzündlichen Aspekte von Ingwer untersucht und die Ergebnisse nach 2 Monaten waren verblüffend: die Entzündungsparameter TNF-alpha und CRP sind im Vergleich zur Placebogruppe signifikant gesunken. Das weckt die berechtigte Hoffnung, entzündliche Langzeitkomplikationen auch mit der Kraft des Ingwers günstig beeinflussen zu können.

Warum wirkt Ingwer antientzündlich?

Inhaltsstoffe des Ingwer hemmen – gleich wie die Acetyl-Salicyl-Säure (z.B. Aspirin®, Aspro®) – das Enzym Cyclooxygenase. Beide teilen somit ein identes Wirkprinzip. Cyclooxygenasen vermitteln Entzündungsreaktionen. Zusätzlich kann Ingwer das Enzym Lipoxygenase hemmen.

Die Acetyl-Salicyl-Säure ist im gastro-enteralen Bereich mit Nebenwirkungen behaftet: bei häufiger Einnahme kommt es häuifg zu Magenschleimhautblutungen und chronischer Gastritis, was die individuelle Lebensqualität stark in Mitleidenschaft ziehen kann.

Glücklicher Weise sind die Nebenwirkungen von Ingwer rein gesundheitsfördernder Natur, welche sich für die Gesundheit auch vielfach nutzen lassen.

Was sind Cyclooxygenasen?
Cyclooxygenasen setzen die Bildung von Prostaglandinen aus Arachidonsäure in Gang. Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure und Prostaglandine sind für Schmerzen, Fieber und  Entzündungen verantwortlich. Unter den Cyclooxygenasen werden die Unterformen COX-1 und COX-2 unterschieden. Diese haben unterschiedliche Wirkungen:

COX-1 ist für Bildung von Prostaglandinen zuständig, die als Schutzsubstanzen für Magenschleimhaut und Nieren fungieren indem sie die Produktion und Sekretion von Hydrogencarbonat, das die  Magensäure abpuffert, und die Regeneration von Zellschichten fördern.

COX-2 ist für die Verstoffwechselung von Arachidonsäure und somit für Entzündungsmediatioren zuständig: es wird erst bei geschädigtem Gewebe physiologisch induziert. COX-2 ist das einleitende Enzym für die Bildung der Prostaglandine, Leukotriene und Thromboxane, die ihrerseits die Entzündung einleiten.

Aufgrund der unterschiedlichen Wirkweisen wird an der Produkton von Medikamenten geforscht, die ausschließlich die COX-2 hemmen können. Damit ließen sich unerwünschte Nebenwirkungen wie Schädigung der Magenschleimhaut und der Nieren (z.B. durch Aspirin® oder Aspirinabkömmling Ibuprofen®) verhindern.

Die Prostaglandin-Freisetzung wird darüber hinaus auch durch Mediatoren wie Histamin und Gastrin gefördert.

Ingwer ist wirksam bei Rheuma

Der rheumatische Formenkreis umfasst rund 200 Erkrankungen wie Arthrose, Arthritis, Polyarthritis, Osteoarthritis und Fibromyalgie. Bei dieser Thematik überschlagen sich die Studienergebnisse, denn die Vielfalt an therapeutischen Anwendungsgebieten für Ingwer scheint nahezu unbegrenzt. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass alle rheumatischen Erkrankungen ursächlich die Folge von (autoimmungesteuerten) Entzündungsprozessen im Körper sind und, als dass die entzündungshemmenden Eigenschaften zu den ingwer´schen Paradedisziplinen zählen.

Ursprünglich waren es Forschungen zu Arthrose, die bezüglich der antientzündlichen Kompetenz von Ingwer aufhorchen ließen. So ergab eine Arthrose-Studie, dass die Einnahme von täglich 30 bis 500 mg Ingwer während eines Zeitraums von 4 bis 36 Wochen Knieschmerzen deutlich reduzieren konnte. Eine weitere Studie zeigte auf, dass bei 593 Patienten die Dosis von 500 – 1000 mg pro Tag Bewegungs- und Schmerzeinschränkungen erfolgreich mindern konnte; und eine weitere Studie attestierte Ingwer die gleiche schmerzstillende Wirkung bei Arthrose wie bei Einnahme des Medikaments Ibuprofen®.

Ingwer hemmt die Blutgerinnung

Ingwer hat auf die Blutgerinnung hemmende Wirkung und kann Gefäßverschlüssen vorbeugen. Konkret hemmt es die Blutplättchen dabei, sich zu fest zu verklumpen. Blutplättchen verschließen ein verletztes Blutgefäß ähnlich einem Pflaster, können sich aber auch in Gefäßen festsetzen und diese verstopfen. Medikamentöse Blutgerinnungshemmer (z.B. Acetyl-Salicy-Säure, Cumarine, Heparine etc.) werden in der Prophylaxe gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall standardmäßig eingesetzt.

Zurückhaltung kann sinnvoll sein, wenn Patienten blutgerinnungshemmende Wirkstoffe einnehmen um eine zu hohe „Dosierung“ zu vermeiden. Grund: bei Patienten unter blutgerinnungshemmender Therapie ist die Blutungsneigung erhöht, sie gelten als „Bluter“ und müssen medikamentös sehr präzise eingestellt sein. Im Zweifelsfall besser Rücksprache mit dem Arzt halten.

Ingwer reduziert Entzündungen, lindert Schmerzen und hemmt die Blutgerinnung.

Ingwer lindert Reiseübelkeit und Brechreiz

Bereits die Seefahrer kauten Ingwerwurzel gegen die Seekrankheit. Mittlerweile konnte auch in Studien festgestellt werden, dass Ingwer Übelkeit, Brechreiz und Schwindel genauso gut zu lindern vermag wie klassische Antihistaminika – ohne jedoch dabei schläfrig zu machen. In Teilen des asiatischen Raums reibt man übrigens bei Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit Stirn und Nacken mit einer frisch geschnittenen Scheibe Ingwer ein. Der Forscher & Pharmakologe Prof. Dr. Verspohl schreibt Ingwer vergleichbare Wirkung zu wie dem Pharmamedikament Dimenhydrinat. Dimenhydrinat zählt zu den Standardmedikamenten bei behandlungsbedürftiger Übelkeit.

Auch die Gründe für die Eigenschaften dürften geklärt sein. Die Wissenschaft erklärt das folgendermaßen: die Wirkstoffe greifen an jenen Serotonin-Rezeptor-Ionenkanälen an, die am Erbrechen beteiligt sind. Docken diese an den für das Erbrechen zuständigen Rezeptoren an, kann das für den Brechreiz zuständige Areal im Gehirn nicht aktiviert werden, und die Übelkeit bleibt aus. Gingerol besitzt darüber hinaus die Fähigkeit, Säuren im Magen zu absorbieren und dadurch zusätzlich Übelkeit abzudämpfen.

Bei Reisen im Auto, Zug oder Flugzeug ist Ingwer ein ausgezeichnetes Mittel gegen Reiseübelkeit!

Achtung - nicht jede Übelkeit sollte gleich behandelt werden!
Die Ursachen für Übelkeit und Brechreiz können sehr unterschiedlich ausfallen: sofern der Grund beipsielsweise ein Magen-Darm-Virus ist, handelt es sich bei der Symptomatik um einen Schutzmechanismus des Körpers, durch den Krankheitserreger und Giftstoffe aus dem Körper  befördert werden. Dieser selbstregenerative Prozess sollte durch übelkeitsdämpfende Substanzen nicht unterbrochen werden – auch nicht durch jene des Ingwers. Allerdings sollte dieser Zustand auch nicht zu lang andauern, da ansonsten lebenswichtige Elektrolyte und zu viel Flüssigkeit verloren gehen könnten (was die Konsulation eines Arztes zwingend erforderlich machen würde).

Vorsicht bei Schwangerschaftsübelkeit! In der Schwangerschaft sollten Frauen den Tee besser nicht trinken, denn Ingwer könnte in größeren Mengen vorzeitige Wehen auslösen. Übrigens: Auch Kardamom, Nelken und Zimt sollen diese wehenfördernde Wirkung besitzen.

Ingwer hilft bei Erkältungen

Ingwer enthält viele Scharfstoffe, die die Durchblutung anregen. Die vermehrte Durchblutung bewirkt, dass Heilstoffe besser an den Ort ihres Bedarfs gelangen und Keime aller Art sowie Abbauprodukte besser abtransportiert werden können. Zusätzlich werden die Wärmerezeptoren aktiviert: die Wangen röten sich, die Nase läuft und ein Wärmegefühl entsteht. Das alles ist gut gegen Erkältungen. Ein weiterer Trumpf im Ärmel des Ingwers ist Gluathion. Gluathion ist ein starkes Antioxidans, das Radikale unschädlich machen kann. Die ätherischen Öle Ziniberen und Zingiberon wirken krampflösend und erleichtern das Abhusten von zähem Schleim. Das befreit die Lunge und unterstützt die Atemwege. Die schmerz- und entzündungshemmende Wirkung hilft gegen Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und Kopfweh. Antibakterielle und virusstatische Eigenschaften setzen Erreger auf direktem Weg außer Gefecht. Viele Gründe also, warum Ingwer unter Insidern als Allzweckwaffe gegen grippale Infekte gehandelt wird 😉 !

Ingwer fördert die Verdauung

Ingwer steigert Tonus und Peristaltik der Darmtätigkeit und fördert darüber hinaus die Bildung der Verdauungssäfte: Bildung und Sekretion von Speichel, Magensaft und Gallenflüssigkeit werden angeregt. Diese Faktoren haben an einer effizienten Verdauung großen Anteil und wirken darüber hinaus Verdauungsbeschwerden entgegen – insbesondere gegen Blähungen.

Ingwer hilft gegen Grauen Star

Vielversprechende Studien lassen auch bei der Entstehung des Grauen Stars im Rahmen einer diabetischen Erkrankung aufhorchen: die Ergebnisse zeigen, dass das „Anti-Verzuckerungs-Potenzial“ des Ingwers und seine Hemmwirkung auf die körpereigene Verzuckerung (über den Polyol-Stoffwechsel) auch dem Sehvermögen zu Gute kommen könnte. Denn diese Effekte können die Linsentrübung – die von Betroffen als unscharfe Sicht „wie durch einen grauen Schleier“ beschrieben wird – lindern oder möglicherweise sogar vollständig verhindern. Spannend, hier besteht allerdings noch weiterer Forschungsbedarf.

Ingwer unterstützt bei Alzheimer

Die Wirkung des Ingwers interessiert auch die Alzheimer-Forschung. Studien weisen darauf hin, dass dessen Inhaltsstoffe den enzymatischen Abbau von Acetylcholin hemmen können. Acetylcholin ist ein wesentlicher Botenstoff für die kognitive Informationsverarbeitung. Im Rahmen der Alzheimer-Erkrankung entsteht in der Hirnrinde ein beträchtlicher Mangel an Acetylcholin. Zudem scheint Ingwer auf die Bildung von Plaques hemmende Wirkung zu haben – bei gleichzeitiger Forcierung des Abbaus der Plaques. Summa summarum handelt es sich dabei um vergleichbare Wirkansätze wie jene synthetischer Pharmaka.

Derzeit ist noch keine Wirksubstanz gefunden worden, um die Erkrankung ausheilen zu lassen. Auch die Schulmedizin kann derzeit lediglich eine Symptombehandlung durchführen. In Anbetracht der interessanten Studienergebnisse könnte angedacht werden, die Schulmedizin mithilfe von Ingwer zu unterstützen – einen Versuch wäre es in Anbetracht der derzeitigen Ausgangssituation möglicherweise wert! Selbstverständlich besteht auch in diesem Bereich noch jede Menge Forschungsbedarf.

Die Liste der Eigenschaften von Ingwer ist lang: antibakteriell, virusstatisch, antiemetisch, durchblutungsfördernd, verdauungsfördernd und last but not least entzündungshemmend!

Dosierung?

Die empfohlene Dosierung liegt bei rund 2 bis 4 g Ingwer pro Tag. Die Art der Einnahme kann ganz nach Belieben erfolgen – beispielsweise frische Ingwerscheiben kauen oder mit geriebenen Ingwerraspeln Gerichte verfeinern, oder einen feurig-scharfen Smoothie zubereiten oder als Tee genießen…

Recipe for tea time! Für einen Ingwertee frisch geschnittene Ingwer-Scheiben mit kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Zitrone eignet sich für die Geschmacksverfeinerung hervorragend, da ihr Aroma sehr gut mit Ingwer harmoniert.

ingwer-tea

Ingwer-trinken