Jod - Cibatus

Jod

Jod

Jodiertes Speisesalz ist nicht grundlos jodiert, denn ein schwerer Jodmangel kann im schlimmsten Fall zu schwerer körperlicher und geistiger Beeinträchtigung führen. In unseren Breitengraden sind die Böden sehr arm an Jod. Das hat zur Konsequenz, dass weder pflanzliche noch tierische heimische Lebensmittel als nennenswerte Jodquellen fungieren können. Die Ursache liegt in der Eiszeit, als Böden infolge von Auswaschungen stark an Jod verarmten. Doch Jod ist für viele Stoffwechselprozesse essenziell, und sollte daher in ausreichender Menge verfügbar sein.

Wofür wird Jod benötigt?

In erster Linie benötigt die Schilddrüse Jod, weil die von ihr gebildeten Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3 oder Thyroxin) und Tetrajodthryonin (T4) Jod als fixen Bestandteil enthalten müssen (T3 benötigt genau 3 = Tri Jodatome, T4 benötigt genau 4 = Tetra Jodatome). Der außerordentliche Stellenwert von Jod spiegelt sich somit bereits in der Namensgebung der beiden Schilddrüsenhormone wieder.

Schilddrüsenhormone sind in viele Stoffwechselvorgänge involviert

Trijodthyronin und Tetrajodthryonin sind in wesentliche Stoffwechselprozesse fast aller Körperzellen eingebunden, weshalb aus einem Jodmangel schwerwiegende Stoffwechsel- und Entwicklungsstörungen resultieren können.

So wirken die beiden jodhaltigen Hormone stoffwechselregulierend indem sie den körpereigenen Eiweiß-, Zucker- und Fettstoffwechsel erhöhen können, was bei der Gewichtsregulation von großer Bedeutung ist. Sie beeinflussen aber auch Herzfrequenz, Blutdruck und Gefäße indem sie letztere erweitern können.

Zusätzlich steigern sie die Aktivität von Schweiß- und Talgdrüsen, fördern die Darmmotorik und verstärken die Erregbarkeit von Nervenzellen. Auch der Knochenstoffwechsel wird beeinflusst, da das Hormon Calcitonin in der Schilddrüse produziert wird. Calcitonin senkt den Kalziumspiegel im Blut und hemmt den Knochenabbau.

Insgesamt wirken sich die Schilddrüsenhormone auf den Energieverbrauch und den Grundumsatz erhöhend aus, was sich auch in einem Anstieg der Körpertemperatur bemerkbar macht und sich in Folge positiv auf das Kalorienkonto auswirkt. Die Schilddrüse ist somit ein bedeutender Regulator des Körpergewichts: bei starker Überfunktion kommt es durch den erhöhten Energieverbrauch zu einer Gewichtsabnahme, bei ausgeprägter Unterfunktion durch den gesenkten Energieverbrauch hingegen zu einer Gewichtszunahme.

Eine Schilddrüsenunterfunktion wirkt sich auf die Gewichtsregulation kontraproduktiv aus, weil der Grundumsatz stark verringert wird.

Schilddrüsenhormone sind für die geistige Reifung von Anfang an unverzichtbar

Bei Neugeborenen regulieren Schilddrüsenhormone das Wachstum des Neugeborenen sowie die Reifung des zentralen Nervensystems durch Entwicklung der Zellen von Gehirn und Rückenmark. Zusätzlich koordinieren sie die Differenzierung von Nervenzellen indem sie die Genexpression steuern. Wird ein Mangel an Schilddrüsenhormonen bei Neugeborenen nicht erkannt und behandelt, kommt es zu neurologischen Störungen im körperlichen und geistigen Bereich: es folgen Bewegungsstörungen sowie Beeinträchtigungen in der kognitiven Entwicklung.

Der Schilddrüsenspezialist Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Hermann bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Hormonmangel in den ersten Schwangerschaftswochen führt zu schweren Reifungsstörungen des Gehirns des ungeborenen Kindes und damit zu nicht wieder gut zu machenden Schäden“.

Im Nervensystem fördern sie die Umscheidung (Myelinisierung) von Nervenzellen; bei einem Mangel in den ersten Lebensmonaten lassen sich Veränderungen im Aufbau und in der Funktion der Gliazellen des Nervensystems nachweisen.

[tw-toggle title=“Was macht die Schilddrüse?“] Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, welches die Luftröhre im Halsbereich umschließt. Sie produziert die Hormone T3 und T4, die in die Stoffwechselprozesse beinnahe jeder Zelle im Körper involviert sind. Eine besonders große Rolle spielt sie bei der Regulation des Grundumsatzes. Gesteuert wird die Schilddrüse über die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die das Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes-Hormon) produziert. In Abhängigkeit des Vorhandenseins der Schilddrüsenhormone wird mehr oder weniger TSH gebildet – ist viel Schilddrüsenhormon vorhanden (und liegt somit eine Überfunktion vor), wird wenig TSH gebildet, ist wenig Schilddrüsenhormon vorhanden (und liegt somit eine Unterfunktion vor), wird mehr TSH gebildet. Aus diesem Grund ist TSH ein wichtiger Laborindikator für den Funktionsstatus der Schilddrüse.
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Wie wirkt sich ein Mangel an Jod aus?

Jodmangel führt zu Schilddrüsenunterfunktion

Ein Mangel an Jod führt zunächst in vielen Fällen zu einer Kropfbildung. Bei ausgeprägtem Mangel kommt es schließlich zu einer Unterfunktion der Schilddrüse – im Fachjargon als Hypothyreose bezeichnet -, bei der es zur mangelhaften Bildung von T3 und T4 kommt. Ein solcher Zustand kann gravierende Stoffwechsel- und Entwicklungsstörungen provozieren.

Jodmangel wirkt sich auf die Gehirnfunktion negativ aus

Die negativste Auswirkung ist die Beeinträchtigung der Gehirnfunktion und Gehirnentwicklung. Bereits bei einem milden subklinischen Mangel können Intelligenz und Lernleistung von Kindern beeinträchtigt sein.

Jodmangel führt zu Kretinismus

Die schwerste Mangelerscheinung ist das Krankheitsbild des Kretinismus. Kretinismus ist die Folge einer zu geringen Bildung von Thyroxin, was äußerlich zu verkürzten Extremitäten, Zwergwuchs und Fettleibigkeit führt sowie geistig zu einer verzögerten kognitiven Entwicklung (Grund ist, dass durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen sowohl im zentralen wie auch im peripheren Nervensystem die Ausbildung von Axonen, Dendriten, Nervensynapsen und Myelinscheiden verzögert ist).

Wieviel Jod wird benötigt?

Der tägliche Bedarf beträgt zwischen 150 und 200 Mikrogramm Jod pro Tag.

Wo ist Jod enthalten?

Jod ist natürlich in Meeresfischen und Krustentieren enthalten. Seit der Jodierung von Salz ist in unseren Breitengraden Jodmangel zu einer Seltenheit geworden, vorausgesetzt jodhaltiges Salz wird nicht durch eine unjodierte Alternative ersetzt. Darüber hinaus gibt es auch mit Jod angereicherte Speiseöle sowie diverse Jod-Präparate.

Gibt es auch einen Jod-Überschuss?

Die gesunde Dosis kann bei Jod überschritten werden. So gilt Jod mit einer täglichen Zufuhr von über 2 mg als Auslöser der nach ihm benannten „Jod-Akne“. Erhöhte Jod-Mengen können auch eine Unterfunktion der Schilddrüse provozieren, ähnlich wie zu geringe Jod-Mengen.

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