Normalgewicht als Antidepressivum - Cibatus

Normalgewicht als Antidepressivum

Normalgewicht als Antidepressivum

Antriebslos? Traurig? Übergewichtig? Ein Grund für depressive Verstimmungen könnte an überschüssigem Gewicht liegen, insbesondere Gewicht um die Körpermitte. Denn bauchbetontes Fettgewebe fungiert als Hormonfabrik, das die Produktion von Zytokinen ankurbelt. Zytokine sind Botenstoffe, die das Immunsystem in „Schussstellung“ bringen und Entzündungen fördern können – und Entzündungen können auch auf die Psyche Einfluss nehmen.

Bauchfett ist der Wissenschaft als Hormonrproduzent bekannt und gilt bereits als gesicherte Tatsache. Weniger bekannt war bisher die Erkenntnis, dass körpereigene Fettdepots auch direkt in das psychische Geschehen eingreifen können: denn Zytokine können auf Botenstoffe des Gehirns und in weiterer Folge auf den Gemütszustand Einfluss nehmen. So sind einige Zytokine beispielsweise dazu imstande, die Produktion des körpereigenen Glückshormons Serotonin zu drosseln. Bei depressiven Patienten ist der Serotonin-Spiegel nachweislich gesenkt und wird mithilfe von Psychopharmaka erhöht. Wissenschaftliche Messungen zeigen, dass Depressive vielfach höhere Zytokin-Werte als Nicht-Depressive aufweisen; die höchste Konzentration entfällt auf jene Patienten, die von Depression und Adipositas zugleich betroffen sind. Einen weiteren Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Depressionen und Zytokinen liefert eine kanadische Studie, die Gehirne Depressiver und Nicht-Depressiver mittels Computer-Tomographie verglich; dabei stellte sich heraus, dass bestimmte entzündungsfördernde Immunprozesse bei Depressiven deutlich aktiver sind als bei Nicht-Depressiven.

Auch in puncto Dauerstress und damit verbundenen Depressionen könnten Zytokine eine Rolle spielen. Denn bei Stress wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, welches das Immunsystem im Zaum halten und nicht „überschießen“ lassen sollte. Das Problem: bei dauerhaften Stresszuständen nimmt der beruhigende Einfluss von Cortisol ab, wodurch Zytokine zunehmend freies Spiel bekommen und psychische Erkrankungen begünstigen können.

Bachbetontes Körperfett produziert vermehrt Zytokine.

Diese Zusammenhänge liefern Ansätze, warum es zu einer Zunahme von Adipositas einerseits und zu einer Zunahme von Depressionen anderseits innerhalb unserer modernen Gesellschaft kommt, und warum Übergewichtige häufiger von Depressionen betroffen sind als Normalgewichtige. Allerdings stecken die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer noch in den Kinderschuhen, weshalb weitere Forschungen notwendig sind. Und bis dahin: fit werden und fit bleiben! Weil: Sport & Bewegung bauen Zytokine nachweislich ab, und Körperfett schmilzt auf diese Weise sowieso : – ) !

Last but not least: Antidepressiva können die Negativspirale verstärken, da auf deren Nebenwirkungsliste eine mögliche Gewichtszunahme ganz oben steht, und der psychopharmakbedingte Gewichtszuwachs bei vielen medikamentös eingestellten Patienten tatsächlich beträchtlich ist. Daher sollten Antidepressiva idealerweise nur bei absoluter Dringlichkeit eingesetzt und nach Alternativen Ausschau gehalten werden: gesunde Ernährung, Bewegung, Sonne und Frischluft in Kombination mit dem Wohlfühlgewicht könnten für das Seelenleben kleine Wunder bewirken!

Und ein kleines Lebensmotto…

Quellen:
(1) Elaine Setiawan, Alan A. Wilson, Romina Mizrahi, MD, et al.  Role of Translocator Protein Density, a Marker of Neuroinflammation, in the Brain During Major Depressive Episodes. Jama Psychiatry, 2015
(2) Schmidt, Weschenfelder, Sander et al. Inflammatory cytokines in general and central obesity and modulating effects of physical activity. PLOS ONE, 2015.
(3) Ärztezeitung. Fett fördert Entzündung und Depression. 2015.
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