Säure-Basen-Gleichgewicht - Cibatus
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Säure-Basen-Gleichgewicht

Säure-Basen-Gleichgewicht – wahr oder falsch?

Immer wieder tauchen die Begriffe Säuren & Basen in Zusammenhang mit Gesundheit und Vitalität auf. Aber ist hier etwas dran? Oder handelt es sich um eines von vielen Gesundheits-Dogmen, die kaum halten können was sie versprechen?  Ein Versuch der Differenzierung.

Außer Zweifel steht, dass der Säure-Basen-Haushalt existiert und dass es sich dabei um ein überaus wichtiges, lebenserhaltenes Regulationssystem des Körpers handelt. Nur durch sensible Ausbalancierung wird es möglich, den pH-Wert auf einem lebensfreundlichen Niveau zu halten. Ganz besonders trifft das auf das Blut zu, das wohl zu den prominentesten Beispielen zählt.

Den einheitlichen, stabilen pH-Wert im Körper gibt es allerdings nicht. Ganz im Gegenteil. Denn das optimale pH-Niveau variiert je nach Organ, Körperbereich und Körperflüssigkeit ganz beträchtlich: so benötigen beispielsweise Enzyme des Magens ein extrem saures Milieu um gut zu arbeiten, Enzyme im Darm hingegen ein Basisches. Die jeweiligen Toleranzbereiche können dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Dazu drei Beispiele:

Die Gallenflüssigkeit wird von der Leber produziert und ist für die Verdauung von Fetten zuständig. Um ihre Aufgaben gut erfüllen zu können, benötigt sie einen pH-Wert zwischen 6,2 und 8,5. Einen pH-Wert von 1,0 bis 1,5 weist hingegen der Magen auf. Dieser stark saure Bereich ist wichtig, um eventuell aufgenommenen Keime effektiv außer Gefecht setzen zu können. Das Blut hat die Aufgabe, Sauerstoff zu den Zellen sowie Kohlensäure in die Lungen zu transportieren. Würde das nicht geschehen, käme es binnen kurzer Zeit zu einer Übersäuerung des Körpers. Der pH des Bluts verläuft daher innerhalb sehr enger Grenzbereiche von rund 7,35 und 7,45 – alles darüber oder darunter wäre mit dem Leben nicht vereinbar.

Die Schulmedizin betrachtet daher den Säure-Basen-Haushalt als lebenswichtiges Gleichgewichtssystem, das sich mithilfe körpereigener Puffersysteme selbst regulieren kann, und  erst dann Aufmerksamkeit erfordert, wenn es zu Entgleisungen in Form einer akuten Azidose (zu viel Säuren) oder einer akuten Alkalose (zu viel Basen) gekommen ist. Ein solcher Zustand würde eine intensivmedizinische Versorgung notwendig machen.

Welche Faktoren können eine solche Stoffwechselentgleisung verursachen?

Eine Stoffwechselentgleisung kann sehr viele Gründe haben. Zu den häufigen Verursachen zählen ausgeprägte Nierenfunktionsstörungen (=  Niereninsuffizienzen), bei welchen zu wenig  saure Ionen ausgeschieden und zu wenig basische Ionen aufgenommen werden, sowie der unvollständige Fettabbau. Zweiteres ist oft die Begleiterscheinung eines völlig entgleisten Diabetes oder einer zu intensiv durchgeführten Fastenperiode: Fette werden in diesem Fall zu beta-Oxybuttersäure oder Acetessigsäure abgebaut und in Folge im Blut massenhaft Ketonkörper angehäuft

Nachdem diese hochkritischen Zustände im medizinischen Alltag dankenswerter Weise eher selten vorkommen, wird der Überprüfung des Säure-Basen-Haushalts im Rahmen der Routinediagnostik wenig Aufmerksamkeit geschenkt – im Regelfall wird der Status gar nicht erhoben.

Gibt es noch andere übersäuerungsbedingte Zustände?

Aus ganzheitlich-medizinischer Sicht existieren abseits dieser Extreme noch weitere Ebenen im Säure-Basen-Haushalt: sie unterscheidet dabei zwischen der beginnenden und/oder nur kurzen andauernden, sogenannten latenten Übersäuerung mit einzelnen, schwer zuordenbaren Anzeichen und der chronischen Übersäuerung mit vielfältigen Symptomen. Diese Zustände werden im Fachjargon auch als latente Azidose und chronische Azidose (Azidose = Übersäuerung) bezeichnet, die mit der lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung nichts zu tun haben.

In diesem Zusammenhang schwört die Ganzheitsmedizin darauf, dass auch Wohlbefinden und Gesundheit in engem Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Gleichgewicht stehen. Allerdings lässt sich diese Theorie nicht so leicht messen wie der Blut-pH, der mittels Blutgasanalyse gemessen werden kann. Spätestens hier driftet die offizielle Meinung von Schulmedizin und Ganzheitsmedizin auseinander. Allerdings sollte im diesem Kontext berücksichtigt werden, dass bei einer bereits bestehenden Übersäuerung des Bluts die Pufferkapazitäten komplett ausgeschöpft sind und der Organismus davor alles daran setzt, um einen solchen lebensbedrohlichen Zustand zu vermeiden. Zu diesem Zweck werden sich abzeichnende Ungleichgewichte insofern ausgeglichen, als dass davor an weniger gefährlichen Stellen gespart wird und von dort die zwecks Ausgleich benötigten Puffer mobilisiert werden. Denn: die Erhaltung des Blut-pHs genießt in Zusammenhang mit der Erhaltung des Lebens oberste Priorität – davor wird an allen anderen Orten gespart. Und genau dort können sich dann Übersäuerungszustände manifestieren und zum Beispiel chronische Schmerzen verursachen.

Pionier der Säure-Basen-Theorie war Friedrich Sander. Seine Forschungen ergaben, dass insbesondere die kollagenen Fasern des Bindegewebes dazu in der Lage sind, bei schnell ansteigenden Säurevorkommen die sauren Anteile aufzunehmen und zu lagern. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Schutzmechanismus, der der Stabilisierung des pH-Werts dient. Dieser Prozess kann aber auch zu einer Übersäuerung führen, wenn sich die Säuredeptos in Folge von Überlastung im Bindegewebes überfüllt werden. Verstärkt wird dieses Geschehen, wenn sich gleichzeitig die Basendepots leeren.

Die Ganzheitsmedizin versteht unter Übersäuerung den Säure-Basen-Status des Bindegewebes und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Organismus.

Welche Symptome deuten eine Übersäuerung an?

Mögliche Symptome sind Tagesmüdigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Unruhezustände, Verdauungsbeschwerden, Hautprobleme, erhöhte Infektanfälligkeit, hormonelle Beschwerden und chronische Schmerzen. All diese Symptome können auch Ausdruck anderer Erkrankungen sein, weshalb sie mit einer Übersäuerung nur selten in Verbindung gebracht werden.

Bereits manifestierte  Erkrankungen, die in ihrem Ursprung auf eine Übersäuerung zurückgeführt werden können (aber nicht müssen), sind rheumatisch-entzündliche Erkrankungen wie Arthrose, Arthritis und Gicht, Wohlstandserkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridspiegel, Magen-Darm-Beschwerden, Autoimmunerkrankungen und viele Ausprägungen entzündlicher Prozesse.

Die Ganzheitsmedizin richtet ihr Augenmerk auf die Regulationsvorgänge im gesamten Organismus, wenn Basen fehlen und/oder zu viele Säuren vorhanden sind.

Mögliche Ursachen für eine latente oder chronische Übersäuerung?

Die Liste säurebildender Faktoren ist lang und reicht von Ernährung bis zu Gewohnheiten des Lebensstils: in der Ernährung an erster Stelle steht tierisches Eiweiß bestehend aus Fleisch, Wurst, Käse, Milch und Obers, gefolgt von mangelhafter Zufuhr von frischem Obst und Gemüse, frischen Kräutern, Keimlingen und Hülsenfrüchten.  Chronische Darmgärung durch schlechtes Kauen, zu schnelles und zu häufiges Essen spielen ebenso eine wichtige Rolle, weil Nahrungsbestandteile nicht vollständig abgebaut werden und  oft saure Zwischenprodukte zurückbleiben. Säurefördernd sind darüber hinaus regelmäßiges Essen bei Nacht, hoher Alkoholkonsum, Dauerstress, Bewegungsmangel sowie dauerhafter Schlafmangel. Aber auch unter den Medikamente können insbesondere Protonenpumpenhemmer, Acetylsalicysäure und Cortison eine Übersäuerung provozieren. Chronische Nierenschwäche, Herzschwäche (und dadurch bedingter Sauerstoffmangel) und ein schlecht eingestellter Diabetes samt Ketonkörperbildung  wirken ebenfalls auf den Säurespiegel erhöhend.

Wohlbefinden und Gesundheit stehen in engem Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Gleichgewicht.

Wie werden Übersäuerungen gemessen?

Ausgesuchte Labors bieten die Säure-Basen-Titration nach Sander an. Dabei handelt es sich um ein Testverfahren, bei dem der Patient zu bestimmten Uhrzeiten Harnproben sammelt – und zwar im Rhythmus von 3 Stunden jeweils um  6,9,12,15 und 18 Uhr. Diese werden dann gemeinsam mit einem Ernährungsprotokoll an das Labor gesandt, wo die Messung der pH-Werte sowie die Bestimmung der Pufferkapazitäten der Harnproben erfolgt. Dabei erfolgt die Bestimmung der Pufferreserven, deren Maß die von Sander definierten AQ-Werte sind, die in Form eines Tagesprofils dargestellt werden.

Zwecks aufschlussreicher Orientierung ist es aber auch möglich, über pH-Teststreifen (aus der Apotheke) selbst ein Urin-pH-Tagesprofil zu erstellen. Eine gesunde Kurve weist 2 Merkmale auf: erstens ist der Morgenurin leicht basisch, also über 6,8. Zweitens ist im Tagesverlauf deutlich eine Kurve zu erkennen, die Werte über 6,8 sowie unter 6,8 aufweist.

Und das Fazit?

Während die Schulmedizin sich darüber uneinig ist, ob es übersäuerungsbedingte Gesundheitsprobleme, die sich beispielsweise in Form von chronischen Erkrankungen manifestieren können, überhaupt gibt, lassen Ganzheitsmediziner keinen Zweifel an einem Zusammenhang zwischen Säureüberschuss, Basenmangel und der Entwicklung von Gesundheitsbeschwerden. Unterstrichen wird letzteres durch positive Erfahrungen mit der gezielten Substitution von Basen, was gleichzeitig auch neue Hoffnung reifen lässt für neue, effiziente Behandlungsstrategien.

Wer letztlich auch auf wissenschaftlich belegte Weise Recht behält, werden neuere Forschungsergebnisse zeigen, die die jeweiligen Theorien hieb- und stichfest beweisen oder eben nicht. Es bleibt also spannend.

Und in der Zwischenzeit kann es für die Gesundheit dennoch nur zuträglich sein, alle oben genannten übersäuerungsfördernden Einflüsse zu überdenken und im Bedarfsfall einzuschränken. Denn theoretisch wissen wir alle, dass wir gesünder essen, mehr schlafen, weniger rauchen, mehr (Wasser!) trinken und das Ganze noch mit mehr Bewegung toppen sollten –  aber praktisch tun sollten wir es auch – immer wieder und immer öfter, es ist nie zu spät 😉 !

So let´s get started!

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(Auszüge aus einer basenfördernden Einkaufsliste)

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