Vitamin D - Aufgaben und Vorteile für die Gesundheit - Cibatus Blog
Vitamin D

Vitamin D

Vitamin D

Vitamin D ist das Sonnenvitamin mit vielen Besonderheiten. Diese zeigen sich bereits darin, dass es sich eigentlich um gar kein Vitamin handelt. Denn der Körper kann Vitamin D selbst produzieren sobald gewisse Voraussetzungen dafür gegeben sind. Aus einer Fülle an Studien geht mittlerweile auch hervor, dass die Dimension seines Wirkungsspektrums und somit der Stellenwert für Gesundheit und Wohlbefinden enorm ist. Trotzdem sind über 50 % der Bevölkerung von einem Mangel betroffen, und namhafte Forscher warnen davor, dass auch die allgemeinen Zufuhrempfehlungen viel zu niedrig angesetzt sein könnten.

Was ist Vitamin D genau?

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, weil es vom Körper selbst gebildet werden kann. Dabei handelt es sich im klassischen Sinn um kein Vitamin, sondern um eine hormonartige Substanz mit der Funktion eines Prohormons. Denn Vitamin D wird im Körper zur aktiven Form Calcitriol umgewandelt, welches ein echtes Hormon ist und für viele biologische Prozesse von großer Bedeutung ist. Darauf weist auch die erst kürzlich entdeckte Tatsache hin, dass fast alle Zellen im Körper Andockstellen (Rezeptoren) für Vitamin D besitzen. Und dies sorgte in wissenschaftlichen Fachkreisen für eine Sensation.

[tw-toggle title=“Vitamin D chemisch betrachtet…“]

Vitamin D  ist ein Sammelbegriff für mehrere Substanzen mit Vitamin D-Wirkung: Vitamin D2  bzw. Ergocalciferol kommt in Pflanzen vor, Vitamin D3  bzw. Cholecalciferol dagegen in tierischen Produkten. Sowohl Vitamin D wie auch D3  besitzen die gleiche Wirkung und werden in Haut, Leber und Nieren schließlich zur aktiven Hormonform von Vitamin D, dem Calcitriol, umgewandelt. Calcitriol zählt zur Familie der Steroidhormone, und ist dem Cholesterin sehr ähnlich. Zu den Steroidhormonen zählt zum Beispiel auch das Cortison.

Cholecalciferol bzw. Vitamin D3 wird entweder aus der Haut mithilfe von UV-B-Strahlung aus seiner Vorstufe 7-Dehydrocholesterol gebildet oder aus der Nahrung aufgenommen. In der Leber wird es dann zu Calcidiol umgebaut und an die Zielorgane abgeben, wo es schließlich zum Calcitriol wird und seine hormonähnliche Wirkung entfalten kann.
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Welche Aufgaben besitzt Vitamin D?

Vitamin D übernimmt eine Vielzahl an Aufgaben und wahrscheinlich sind bis heute noch nicht alle geklärt. Auch sind nicht all jene, die heute schon bekannt sind, bereits von allen Expertenkreisen einheitlich anerkannt. Aber die Studienergebnisse verdichten sich immer mehr und aus diesem Grund ist das Thema „Hormon Vitamin D“ Gegenstand großer wissenschaftlicher Aufmerksamkeit geworden.

So weiß man heute von 6000 Genen, deren Expression von Vitamin D mitbeeinflusst wird, und die für den Verlauf sowie für die Prävention vieler chronischer Erkrankungen eine wesentliche Rolle spielen. Zusätzlich besitzen fast alle (!) Zellen im Körper Kontaktstellen für Vitamin D! Folglich eint beispielsweise Nervenzellen im Gehirn, Herzmuskelzellen oder Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse (wie viele andere auch) die gemeinsame Tatsache, dass sie alle über Rezeptoren für Vitamin D verfügen – und es ist davon auszugehen, dass dies nicht grundlos der Fall ist und tatsächlich weisen viele Studien darauf hin, dass eine Reihe von chronischen und heute gängigen Erkrankungen in direktem Zusammenhang mit einem Mangel an Vitamin D stehen dürften.

Vitamin D und stabile Knochen

Wissenschaftlich zur Gänze anerkannt ist die hohe Bedeutung von Vitamin D in Verbindung mit Kalzium. So ist Vitamin D für den Knochenaufbau unverzichtbar, weil es den Kalzium- und Phosphathaushalt der Knochen reguliert und als solches den Einbau von Kalzium in die Knochen überhaupt erst möglich macht. Ergänzend fördert das Sonnenvitamin auch die Aufnahme und Verwertung von Kalzium aus dem Darm. Bei einem schweren Vitamin D-Mangel kommt es zu gravierenden Störungen im körpereigenen Kalziumhaushalt und folglich zu Rachitis im Kindesalter und zu Osteomalazie im Erwachsenenalter. Für einen ausreichenden Schutz vor übermäßigem Knochenabbau ist es daher dringend notwendig, neben Kalzium auch ausreichend Vitamin D zuzuführen.

[tw-toggle title=“Die Entdeckung von Vitamin D“] Im 19. Jahrhundert breitete sich mit der industriellen Revolution eine neue Erkrankung aus, die sich in Form schwerer Knochenverformungen bei Kindern bemerkbar machte: die Rachitis. In stark verschmutzten Gegenden, die damals sehr häufig vorkamen und in denen kaum Sonnenlicht mehr durchdringen konnte, waren bis zu 60 % der Kinder davon betroffen. Die Wirkung des Sonnenlichts auf die Bildung von Vitamin D war damals noch völlig unbekannt. 1822 beschrieb der polnische Arzt und Chemiker Jędrzej Śniadecki als Erster den Zusammenhang zwischen dem Sonnenlicht und Rachitis. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Lebertran, der äußerst reich an Vitamin D ist, als antirachitisches Medikament entdeckt. Wenig später war das Krankheitsbild in Nordamerika und Europa fast zur Gänze verschwunden.
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Vitamin D und starke Muskeln

Vitamin D erhöht die Zahl der Muskelzellen und Muskelfasern. Es regt den Proteinaufbau an, was für den Erhalt und die Entwicklung der Muskelmasse ganz wesentlich ist und wodurch auch die Muskelkraft gefördert wird.  Zusätzlich unterstützt Vitamin D auch die Calciumfreisetzung in der Muskelzelle, was eine effizientere Muskelkontraktion bewirkt und ebenso die Muskelkraft erhöht. Daher kann ein Vitamin D-Mangel oft mit Muskelschwäche einhergehen und umgekehrt kann eine zufriedenstellende Versorgung mit Vitamin D die Muskelkraft erhöhen.

Vitamin D und Bluthochdruck

Der Blutdruck ist lebensnotwendig, weil die Durchblutung den gesamten Körper sowie alle Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Bei körperlicher Anstrengung oder bei Aufregung kann der Blutdruck kurzzeitig ansteigen, was aber im Rahmen einer kurzfristigen Anpassung des Körpers an eine vorübergehende Stresssituation nicht gesundheitsgefährdend ist. Chronischer Bluthochdruck bewirkt dagegen eine Überbeanspruchung des Herzens, das seinerseits mit einer krankhaften Vergrößerung des Herzmuskels und schließlich mit Herzschwäche antworten kann. Zusätzlich können Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und schließlich Infarkte und Herzversagen auftreten. Darüber hinaus schädigt dauerhafter Bluthochdruck die Blutgefäße, insbesondere im Gehirn, im Augenhintergrund und in der Niere – die damit verbundenen gesundheitlichen Konsequenzen sind vielfältig, und können sich schlimmstenfalls als Schlaganfall, Erblindung oder Dialysepflichtigkeit manifestieren.

Der Grenzwert liegt nach aktuellen Leitlinien bei 130/80 mmHg. Über diesem Wert liegt in der Regel auch eine Behandlungsnotwendigkeit durch Medikamente vor.

Eine Vielzahl von untersuchten Testpersonen zeigte, dass der Blutdruck im Durchschnitt umso höher ausfällt, je niedriger der Vitamin D-Spiegel ist. Zusätzlich konnte der bekannte Vitamin D-Forscher Dr. Michael Holick nachweisen, dass der Blutdruck seiner Probanden gesunken ist, nachdem sie für 6 Wochen dreimal wöchentlich einige Minuten der UVB-Bestrahlung einer Sonnenbank ausgesetzt wurden. Andere Forscherteams kamen bei Vitamin D-Präparaten zu einem ähnlichen Ergebnis, etwa als Bluthochdruck-Patienten 8 Wochen lang Supplemente in Form von 1600 IE Vitamin D und 800 Milligramm Kalzium erhielten.

 „Vitamin D senkt das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden um 50 %!“
Prof. Dr. Michael Holick

Vitamin D und Diabetes mellitus Typ 2

Auch in Verbindung mit Diabetes mellitus glänzt Vitamin D mit beachtlichen Eigenschaften. So scheint Vitamin D die Anlage von Inselzellen und die Produktion sowie die Ausschüttung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse zu fördern. Umgekehrt zeigten Studien, dass ein Mangel an Vitamin D auch zu einer geringeren Freisetzung von Insulin führte. Zusätzlich fördert es die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin zu reagieren (Insulinsensitivität) indem Anlage und Funktion von Rezeptoren auf Muskel- und Fettzellen stimuliert werden. Weiters mindert Vitamin D die Entzündungsneigung in den Zellen und beugt Autoimmunprozessen aktiv vor.

Und so fand auch die berühmte NHANES-Studie heraus, dass  bei hohen Vitamin D-Spiegeln (ab Werten über 32 µg/ml) bei weißen Amerikanern das Risiko für Typ 2-Diabetes um 75 % niedriger war als bei niedrigen Werten (von unter 14 µg/ml). Auch die weltberühmte Nurse´s Health Study an mehr als 100 000 amerikanischen Krankenschwestern bestätigte diesen Zusammenhang, denn nach 20 Jahren Langzeitbeobachtung zeigte die Studie, dass mit höherer Vitamin D-Zufuhr über Supplemente das Risiko für Typ 2-Diabetes deutlich abnahm.

Vitamin D und Autoimmunerkrankungen

Die Liste der Krankheiten mit direkter Verbindung zu Vitamin D umfasst auch die immer häufiger auftretenden Autoimmunerkrankungen, bei welchen das Immunsystem übersensibel reagiert und in Folge eine Abwehrreaktion in Stellung bringt.

So verbindet beispielsweise Multiple Sklerose, Diabetes Typ 1 und Rheumatoide Arthritis nicht nur die Tatsache, dass sie die Konsequenz eines überaktiven Immunsystems sind, sondern auch der Nachweis vieler Studienergebnisse, dass das Risiko einer Erkrankung umso geringer ist, je höher die Versorgung mit Vitamin D ist.

Die Sonne ist mit Vitamin D untrennbar verbunden.

Der bekannte Vitamin D-Forscher Prof. Dr. Michael Holick bilanziert dazu folgendermaßen: „Moderates Sonnen mindert das Risiko vieler Infektionskrankheiten, Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Schlaganfall, Demenz und multiple Sklerose! Die Botschaft ist klar: das Sonnenlicht ist unser Freund, aber nur, wenn wir es mit Vernunft nutzen!“

Wie viel Vitamin D ist in Lebensmitteln enthalten?

Vitamin D ist nur in wenigen Lebensmitteln in größeren Mengen enthalten. Dazu zählen fette Fische wie beispielsweise Lachs, Hering oder Makrele. Ansonsten findet sich Vitamin D zwar auch in Leber, Margarine, Eidotter und diversen Speisepilzen wie beispielsweise Champignons, allerdings in viel geringeren Mengen. Um den Bedarf an Vitamin D zu decken, müssten daher unverhältnismäßig hohe Mengen der meisten dieser Lebensmittel konsumiert werden.

Der Pharmazeut und Nährstoffspezialist Uwe Gröbner beauskunftet folgendermaßen: „Um den Tagesbedarf eines Erwachsenen von 2000 bis 4000 IE Vitamin D über die Ernährung abzudecken, müsste man jeden Morgen zum Frühstück einen sauren Hering mit einem Viertel Glas Lebertranöl herunter spülen oder täglich 4,2 bis 8,4 kg Butter essen. Von Steinpilzen würden man jeden Tag etwa 1,7 bis 3,4 kg verzehren müssen. Von Champignons täglich sogar etwa 2,7 bis 5,4 kg.“

Daraus wird ersichtlich, dass Ernährung zu einer zufriedenstellenden Bedarfsdeckung nicht alleine beitragen kann. Durchschnittlich werden auch nur etwa 10 bis 20 % des Vitamin D-Bedarfs über die Ernährung zugeführt, die restlichen 80 bis 90 % stammen aus der körpereigenen Produktion. In diesem Zusammenhang treffender formuliert ist jedoch, dass 80 bis 90 % aus der körpereigenen Produktion stammen müssten, dies in vielen Fällen jedoch leider bei vielen Menschen nicht zutrifft.

 „Mit der Sonne kann der Körper
Vitamin D in sehr hohen Mengen
selbst produzieren!“
Dr. Jörg Spitz, Mediziner

Wieviel Sonne ist zur Vitamin D-Bildung notwendig?

Um ausreichend Vitamin D bilden zu können, sollte in der Zeit zwischen März und Mitte Oktober eine große Körperoberfläche mehrmals pro Woche für 5 bis maximal 30 Minuten der Sonne ausgesetzt werden, wobei Arme und Beine meistens ausreichend sind. Hier gilt die Merkregel, dass es sich bei der Zeitspanne des Sonnens maximal um die Hälfte jener Zeit handeln darf bis ein Sonnenbrand entstehen würde. Daher sollte unbedingt der Hauttyp und der Gewöhnungsstatus an die Sonne berücksichtigt werden. Bei weiterer Exposition und bei bestehendem Risiko für Sonnenbrand sollte die Haut natürlich entsprechend geschützt werden, beispielsweise mit Kleidung oder Sonnencreme.

Der Bräunungszustand der Haut ist ganz entscheidend für deren Empfindlichkeit. Auf nicht vorgebräunter Haut dürfen es nur sehr wenige Minuten sein, gut gebräunte Haut verträgt im Normalfall bereits 20 – 30 Minuten problemlos, ohne eine Hautrötung oder gar einen Sonnenbrand zu riskieren. Denn jegliche Form von Sonnenbrand muss selbstverständlich gemieden werden.

Für die Vitamin D-Bildung konkret verantwortlich sind die UV-B-Strahlen, für deren Produktivität wiederum die Höhe des Sonnenstands und somit die Jahreszeit maßgebliche Faktoren sind. Je höher der Sonnenstand, desto höher ist auch der UV-B-Anteil des Sonnenlichts. Denn der UV-B-Anteil hängt vom Einfallswinkel der Sonnenstrahlen auf die Erde ab, und ist erst dann gegeben wenn er steiler als 35° ist. Das ist bei uns ungefähr Anfang März bis etwa Oktober der Fall, wobei zu Anfang und Ende der benötigte Sonnenstand nur zur Mittagszeit erreicht wird. An den sonnenreichen Tagen um die Sonnenwende ist er aber in einem Zeitfenster von 9 bis 17 Uhr gegeben.

Es sollte somit berücksichtigt werden, dass jenseits des 40. Breitengrades und damit auch in Mittel- und Nordeuropa einschließlich Österreich, Deutschland, Schweiz, England, USA und Kanada, im Winter kein Vitamin D3 gebildet werden kann, weil während dieser Zeit der Sonnenstand zu niedrig ist. In den Wintermonaten ist die Versorgung daher oft unzureichend.

Auffallend ist, dass die Rate der modernen Zivilisationskrankheiten steigt, je weiter die Menschen vom Äquator entfernt leben.

Am Äquator ist der Sonnenstand das gesamte Jahr hindurch hoch!

In den Sommermonaten ist es auch in unseren Breitengraden prinzipiell möglich, sehr hohe Mengen an Vitamin D zu bilden und diese auch zu speichern, um in der kalten Jahreszeit über ausreichende Reserven zu verfügen. So ist es von der Natur biochemisch vorgesehen. Soweit dieTheorie.

Die Praxis sieht so aus, dass infolge der Veränderungen des Lebensstils nur noch wenige Menschen mit Sonnenlicht in Kontakt kommen. Hinzu kommt der nicht zu unterschätzende Punkt, dass viele Menschen aus Angst vor Sonnenbränden die Sonne auch in den warmen Monaten ganz meiden oder sich ihr ausschließlich mit dicken Sonnenschutzmitteln aussetzen. Sonnenschutzmittel ab Lichtschutzfaktor 15 lassen jedoch so gut wie kein UV-B-Licht mehr durch, gleiches gilt für Ganzkörperbekleidung, Sonnenhüte und Fensterscheiben. Ergänzend tragen auch Luft- und Umweltverschmutzung immer mehr dazu bei, den UV-B-Anteil des Sonnenlichts gravierend zu senken.

„Es ist vollkommen ungesund, das Sonnenlicht völlig zu meiden. Das Prinzip der richtigen Dosis gilt auch hier: zu viel ist genauso schädlich wie zu wenig!“
Prof. Dr. Michael Holick

Achtung Risikogruppen

Innerhalb der Bevölkerung existieren Risikogruppen, die schneller und intensiver von einem Vitamin D-Mangel betroffen sein können. Dunkelhäutige Menschen benötigen länger für eine effiziente Bildung von Vitamin D, und sind somit stärker betroffen, besonders dann wenn sie sich darüber hinaus auch noch sehr wenig an der Sonne aufhalten. Auch ältere oder stark übergewichtige Menschen zählen zu den Risikogruppen, weil bei älteren Menschen die Produktionseffizienz abnimmt und bei adipösen Menschen das produzierte Vitamin D in den Fettzellen gespeichert und erst dann wieder freigegeben wird, wenn das Fett wieder abgebaut wurde.

Die Eigenversorgung reicht nicht immer aus, und kann in vielen Fällen je nach Sonnenverhalten sogar völlig unzureichend sein.

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Wie hoch ist der Bedarf an Vitamin D?

Die Frage nach dem Bedarf ist derzeit Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen und Kontroversen. Gleichzeitig ist das Thema um die exakte Dosierung sehr komplex, weil es von vielen Einflussgrößen abhängt.

Der Bedarf orientiert sich einerseits am Vitamin D-Spiegel im Blut. Ein zweiter wichtiger Punkt ist das individuelle Sonnenverhalten, das berücksichtigt, wann und wie oft, an welchem Ort und auf welche Art und Weise man sich an der Sonne aufhält. Auch Alter, Gewicht und Hauttyp sind für die Effizienz der Bildung maßgebend. Und zusätzlich fließen natürlich auch die individuellen Ernährungsgewohnheiten mit ein.

Aus der Vielzahl dieser Faktoren wird ersichtlich, wie komplex die Frage nach dem Vitamin D-Bedarf und der richtigen Dosierung ist, und weshalb eine exakte Antwort wohl nur individuell möglich ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Spiegel von 20 µg/ml mit 800 Internationalen Einheiten (IE) pro Tag zur Bedarfsdeckung, betont dabei aber gleichzeitig, dass es sich hier mehr um Schätzwerte und weniger um klassische Zufuhrempfehlungen handelt. Als Mangel wird ein Spiegel unter 12 µg/ml, als ausreichend ein Wert ab 20 µg/ml definiert. Spezialisierte Vitamin D-Forscher befinden größtenteils einstimmig, dass es sich bei der DGE-Schätzung um einen unteren Grenzwert handelt, der bestenfalls schwere Mangelerscheinungen verhindert, jedoch keinesfalls eine Vitamin D-Versorgung in optimaler Menge sicherstellt.

[tw-toggle title=“Vitamin D-Spiegel im Blut“]Um den individuellen Bedarf zu ermitteln ist es hilfreich, den körpereigenen Vitamin D-Status über einen Bluttest im Labor feststellen zu lassen, weil man damit ein aussagekräftiges Parameter erhält, auf dessen Basis die benötigte Menge viel exakter definiert werden kann. Die Höhe des Spiegels ist ein guter Indikator für den individuellen Speicherstatus und bisherigen Versorgungszustand. In der Regel wird der Blutwert in µg/ml oder µg/l angegeben. Manchmal wird aber auch die Einheit nmol/l verwendet und diese lässt sich in µg/ml umrechnen, indem der nmol/l-Blutwert durch 2,5 dividiert wird.
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Daher lohnt sich ein Blick auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse spezialisierter Forschungsteams, wo gängige Interpretationen zum Vitamin D-Spiegel im Blut so aussehen:

Kleiner als 20 µg/ml = schwerer Vitamin D-Mangel
20 – 30 µg/ml = Unterversorgung
30 – 60 µg/ml = Zufriedenstellende Normwerte
60 – 90 µg/ml = Hohe Werte
90 – 150 µg/ml = Überversorgung
Größer als 150 µg/ml = Vitamin D-Intoxikation

Damit die Bevölkerung einen Wert von 30 µg/ml erreicht, ist schon einiges an Anstrengung notwendig. Nicht zuletzt deshalb, weil 30 µg/ml mit den derzeit empfohlenen Werten von 800 IE nicht erzielbar sind. Somit handelt es sich an dieser Stelle um einen großen Streitpunkt.

An diesem Punkt kann sich ein Blick auf die Sonne und deren Produktivität lohnen: die Sommersonne produziert mittags ungeschützt bei einer Dauer von 10 bis 20 Minuten im Körper zwischen 10 000 und 20 000 IE Vitamin D. Und das ohne dadurch Probleme oder toxische Nebenwirkungen zu verursachen. Mit solch kurzer und intensiver Sonnenbestrahlung wird es auch möglich, Blutwerte von 40 bis 60 µg/ml zu erlangen.

In Anbetracht dieser sicherlich natürlichsten Form der Vitamin D-Bildung wird ersichtlich, warum es für einige Wissenschafter wenig nachvollziehbar ist, dass meinungsbildende Fachgesellschaften die Zufuhrempfehlungen so niedrig ansetzen – nämlich die 25fach kleinere Dosis, als die Sommersonne in etwa 20 Minuten natürlich herstellt.

[tw-toggle title=“Internationale Einheiten“] Internationale Einheiten (IE oder IU) sind eine Maßeinheit für viele medizinisch verwendete Wirkstoffe wie Antibiotika, Hormone oder Vitamine. Diese lassen sich natürlich auch in gängige Einheiten umrechnen.
Für Vitamin D sieht das für eine Menge von z.B. 1000 Internationalen Einheiten so aus:
1 IE = 0,025 μg Vit. D (μg = Mikrogramm)
1000 IE = 25 μg Vit. D = 0,000025 g Vit. D
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Doch zurück zum Bedarf – individuell betrachtet..

..hier kann ein Rechenbeispiel zwecks Veranschaulichung helfen:

Eine normalgewichtige Person geht ins Labor und erhält als Blutbefund ein Ergebnis von 10 µg/ml. Das Ziel ist, den Vitamin D-Spiegel auf 40 µg/ml über ein Supplement anzuheben. Was müsste man tun?

Prof. Dr. Jörg Spitz beantwortet diese Fragestellung folgendermaßen:

Als (grobe) Faustregel gilt, dass 10 000 IE den Spiegel um 1 µg erhöhen. Wenn man einen Spiegel von 10 µg hat und auf 40 µg erhöhen will, fehlen 30 Einheiten. Nach dem Erreichen von 300 000 IE würde sich der Vitamin D-Spiegel auf etwa 40 µg erhöhen.

Als Erhaltungsdosis empfiehlt er bei Normalgewicht etwa 4000 IE bei Normalgewicht, bei starkem Übergewicht 8000 IE und bei Kindern mit 10 – 15 kg 800 – 1000 IE sowie für Babys 400 IE.

Die Zufuhr für Babys ist in Form der Vitamin D-Supplementation zur Rachitisprophylaxe bis zum vollendeten 1. Lebensjahr auch bei uns üblich und als solches auch ärztlich angeordnet.

[tw-accordion class=““] [tw-accordion-section title=“Michael F. Holick, Ph.D., M.D. „] Michael F. Holick, Ph.D., M.D. ist Professor für Medizin, Physiologie und Biophysik sowie Direktor des Instituts für allgemeine klinische Forschung, der Klinik für Knochengesundheit und des Forschungszentrums für Heliotherapie, Licht und Haut am Medizinischen Zentrum der Universität Boston. International genießt Professor Michael Holick in der Medizin aufgrund seiner Grundlagenforschung über Vitamin D, die wesentlich zur Aufklärung des Sonnenvitamins beigetragen haben, große Anerkennung.
[/tw-accordion-section] [tw-accordion-section title=“Professor Dr. med. Jörg Spitz„] Professor Dr. med. Jörg Spitz ist Facharzt für Nuklearmedizin mit 35 jähriger Erfahrung im deutschen Gesundheitswesen, u.a. als Wissenschaftler, Chefarzt am Krankenhaus und als niedergelassener Vertragsarzt mit eigener Praxis. Im Ruhestand beschäftigt er sich nun ausschließlich mit der Prävention und engagiert sich in diesem Zusammenhang sehr für die Thematik von Vitamin D.
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Fazit

Die Tatsache, dass jede Zelle über Rezeptoren für Vitamin D verfügt und binnen kürzester Zeit die Sonne so hohe Mengen selbst produzieren kann, ist beeindruckend und hat sicher ihren Grund. Das wirft berechtigte Fragen auf, warum die Empfehlungen von offizieller Seite so niedrig angesetzt sind.

Kritische Stimmen behaupten, dass sich die Sonne eben nicht vermarkten lässt und kostenlos für alle scheint. Die Medikamentenindustrie ist hingegen eine Branche mit Milliardengeschäften.

Wer nun Recht hat, kann natürlich auch dieser Artikel nicht mit absoluter Sicherheit beantworten. Sicher aber kann der Mensch von der Natur noch viel lernen – denn sie ist in ihrer einzigartigen Schönheit und Vollkommenheit atemberaubend, sobald man sie als das wahrnimmt was sie ist. Das macht demütig und bescheiden! Und es wäre nicht das erste Mal, dass ein „Abschauen“ von der Natur sich als großer Vorteil für die Menschheit entpuppt hätte.

Das Sonnenhormon Vitamin D ist ein interessantes Beispiel dafür!

Bezüglich optimaler Dosierung kann es helfen, Expertenmeinungen einzuholen, Erfahrungsberichte zu lesen sowie in die Fülle an Studien kritisch hineinzuschnuppern, die zu diesem Thema bereits vorhanden sind!

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Lots of sunshine to you!

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